2016-08-07 - Bootsfahrt auf der Sieg

  Heute ist Sonntag. Sonnenschein, 25°C und meine bessere Hälfte hat heute frei. Beste Voraussetzungen für eine neue Unternehmung. Irgendetwas Besonderes soll es sein aber ohne großen Aufwand. In mir keimt die Idee mein neues Schlauchboot auszuprobieren. Es ist recht groß und geräumig, für 5 Personen geeignet. Leider ist es aber auch schwer und man benötigt eine gute Ausdauer, um es aufzupumpen. Egal, faulenzen geht an so einem Tag gar nicht.

  Nicht weit von meinem Domizil entfernt fließt die Agger, ein Fluss oder Flüsschen, dass in die Sieg mündet, welche wiederum in den Rhein übergeht. Das ist die Route die ich heute ausprobieren möchte. Informationen über diese Route habe ich keine. Auch das Internet liefert dazu nicht viel Brauchbares. Ich weiß um die Schwalle auf dieser Strecke, die mit Booten durchaus befahrbar sind aber an denen das Wasser schnell und unruhig wird. Den genauen Lauf der Route bis zum Rhein kenne ich nur von Landkarten her. Auch kenne ich den aktuellen Wasserstand nicht. Ich weiß jedoch, dass viele Menschen mit Booten und Luftmatratzen die Agger und die Sieg befahren. Letzen Endes macht aber gerade diese Unwissenheit das Abenteuer aus. No risk, no fun!

  Die Vorbereitungen abgeschlossen und nachdem wir alles nötige eingepackt haben, machen wir uns auf den Weg. Das 25 kg schwere Boot packe ich auf ein Rollbrett. So können wir es bequem zum 20 Minuten entfernten Einstieg an die Agger transportieren.

  Das Boot ausgepackt, sehe ich zum ersten Mal seine Dimension. Ich bin nach wie vor beeindruckt und entzückt über diesen komfortablen Gummikahn. Ca. 3,7 m lang, 1,7 m. breit und 43 cm hoch. Nun ging es ans aufpumpen. Das Boot hat 3 Luftkammern und 3 separate Sitzkissen. Ziemlich schweißtreibend an so einem Tag. Nach ca. 20 Minuten ist das Schlauchboot schwimmbereit. Jetzt noch das Boot zu Wasser lassen, die Paddel zusammenbauen und los geht es.

  Es ist schon ein wenig her, als ich das letzte Mal Bötchen gefahren bin. Und da war es ein Kanu. Mein Schlauchboot ist wesentlich breiter, weshalb ich mich an die ungewohnte Rudersituation gewöhnen muss. Aber alles ist gut, meine Frau rekelt sich in der Sonne und die Strömung treibt uns langsam flussaufwärts.

  Relativ schnell erreichen wir die Sieg und da kommt auch schon der erste Schwall. Es erinnert mich an Wildwasserfahrten und meine Gedanken drehen sich um die Steine und das Treibgut sowie um den Tiefgang meines Bootes. Wie ich feststelle, hat nämlich so gut wie keinen Tiefgang und der Wasserstand ist ausreichend, um den Schwall schadlos zu passieren.

  Und so lassen wir uns weiter treiben. Ich brauche eigentlich nur zu lenken, die Strömung ist angenehm und stark genug, um uns voran zu bringen. Auch stelle ich fest, dass die Sieg nicht sehr tief ist. Durch das klare aber sehr kühle Wasser, sehe den Grund und die dort liegenden, hellen Steine rasch an mir vorbei ziehen. Vereinzelt nehme ich auch Fische wahr, die in kleinen Bögen aus dem Wasser springen oder mit ihrer Rückenflosse an der Wasseroberfläche ihre Bahnen ziehen.

  Die  Bootstour ist ein voller Erfolg. Ich fühle mich glücklich, begeistert von der Natur, die mich umgibt. Immer wieder passieren wir kleine Strände, an denen uns grüßende Menschen sitzen und grillen. Wir sehen Angler und Hunde, die in der Sieg eine Abkühlung suchen. Einmal treiben wir an einem Pferd vorbei, das bis zum Bauch im Wasser steht.

  Oft bin ich der Sieg entlang auf dem Radweg gefolgt, doch auf der Sieg selber ergeben sich völlig neue Perspektiven auf die Umgebung. Alles ist so naturbelassen. Hohe, schattenspendende Bäume säumen das Ufer und verdecken die Sicht auf Straßen, Häuser und Verkehr. Es ist, als bewege ich mich in einem anderen Land, einer anderen Welt. Die Zeit scheint still zu stehen und für einen Moment vergesse ich die Zivilisation, in der ich meinen Alltag verbringe.

  Dann treffen wir immer wieder auf andere Schlauchboote, teilweise zu schwimmenden Inseln zusammengebunden und mit jungen Leuten und Familien, die den strahlenden Sonnenschein und die Ruhe genießen. Auch treffen wir auf Menschen, die sich auf ihren Luftmatratzen die Sieg entlang treiben lassen.

  Schließlich erreichen wir die Siegfähre. Hier ist es voll mit Menschen, die das Ufer belagern oder im kühlen Nass sitzen. Die Fähre nimmt viele Radfahrer auf, die heute unterwegs sind. Nachdem wir diese Flussstelle passiert haben, wird die Sieg ruhiger. Die Strömung lässt nach und in der Siegaue ist sie kaum noch wahrnehmbar. Der Rhein ist jetzt nicht mehr weit entfernt. Ich sehe bereits die Spitzen der Kräne im Bonner Hafen. Der Rhein verläuft hier parallel zur Sieg. Nun muss ich mich doch noch in die Riemen legen. Dennoch empfinde ich tiefe Entspannung und Wohlgefühl, dass ich in Form eines angenehmen Kribbelns im Körper wahrnehme.

  Nach gut 2,5 bis 3 Stunden haben wir unser Ziel, Mondorf am Rhein, erreicht. Hier hatte ich bereits am Morgen mein Auto abgestellt und war dann mit dem Fahrrad an der Sieg entlang nach Hause gefahren. Für die Strecke von 12 km brauchte ich da gerade mal 30 Minuten.

  Insgesamt muss ich sagen, ein ganz toller Tag mit vielen, neuen Eindrücken, einem Hauch von Abenteuer und schönen Minuten, an die ich noch lange denken werde. Zum Abschluss dieses erlebnisreichen Tages, grillen wir jetzt noch Schaschlik.

  Einfach mal ausprobieren…das Leben ist schön und hat so viel zu bieten.

Bootstour Sieg 2016

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